Mission

res digitalis ist eine unabhängige Schweizer Plattform für die Analyse von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Folgen. Wir sind nicht Teil einer Beratungsfirma, eines Bildungsanbieters oder eines Technologiekonzerns, und wir verkaufen keine Kurse, Zertifikate oder Beratungsleistungen zum Thema, über das wir schreiben. Diese Unabhängigkeit ist keine Fussnote, sondern die Voraussetzung für das, was wir tun.

Unsere Mission ist es, einen öffentlichen Raum zu schaffen, in dem die kulturellen, politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und ethischen Folgen der Digitalisierung so ernsthaft diskutiert werden, wie es ihre Tragweite verlangt. Wir glauben, dass die Schweiz einen solchen Raum bislang nicht hat – zu viele Debatten verlaufen entweder in technikgläubiger Wirtschaftsrhetorik oder in pauschaler Kulturkritik. Wir wollen dazwischen etwas aufbauen: einen Ort für Fragen, die unbequem sind, für Perspektiven, die einander widersprechen, und für eine Sprache, die klar ist, ohne banal zu werden.

Wir schreiben für Menschen, die Verantwortung tragen oder tragen wollen – in Verwaltung, Bildung, Recht, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft – und die mehr wissen wollen, als Schlagworte hergeben.

Zielgruppen

  • Verwaltungs- und Behördenmitarbeitende, die Digitalisierungsprojekte umsetzen oder begleiten und eine Einordnung suchen, die über Vendoren-Präsentationen hinausgeht.
  • Bildungsverantwortliche und Weiterbildungsinteressierte, die die CAS- und Zertifikatslandschaft rund um KI kritisch einschätzen wollen, bevor sie Zeit und Geld investieren.
  • Juristinnen, Politikerinnen und Verwaltungsjuristen, die sich mit den rechtsstaatlichen und demokratiepolitischen Folgen von Automatisierung und algorithmischem Entscheiden befassen.
  • Wissenschaftlerinnen und Studierende aus Philosophie, Soziologie, Rechts-, Politik- und Kommunikationswissenschaft, die an einer undogmatischen, aber anspruchsvollen Auseinandersetzung interessiert sind.
  • Journalistinnen und Journalisten, die Hintergrund und Einordnung für eigene Recherchen zu Digitalisierungsthemen suchen.
  • Wirtschaftlich informierte Skeptiker, häufig aus Management- oder IT-Positionen, die die Innovationsrhetorik ihrer eigenen Branche aus der Nähe kennen und hinterfragen.
  • Engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich in direktdemokratischen Prozessen (Abstimmungen, Vernehmlassungen) fundiert zu Digitalisierungsfragen positionieren wollen.

Aktuell

Die Open-Source-Illusion

Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Ein Wort wandert aus

Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.

Souverän, aber verwundbar

Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.

Wenn KI das Richtige falsch tut

Anthropics Stresstests zeigen, wie autonome Modelle zwischen blindem Gehorsam, moralischer Eigenmacht und manipulierter Selbstkontrolle scheitern.

Der Bias vor der Maschine

Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.
resdigitalis
resdigitalishttps://res-digitalis.ch
res-digitalis ist ein unabhängiger Diskursraum für die Analyse von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Folgen. Die Plattform verortet sich bewusst zwischen zwei etablierten Polen: der technologiegläubigen Innovationsrhetorik von Wirtschaft und Beratungsindustrie einerseits und der pauschalen Technikfeindlichkeit kulturpessimistischer Kritik andererseits.