res-digitalis ist ein Diskursraum

für die Analyse von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Folgen. Die Plattform verortet sich bewusst zwischen zwei etablierten Polen: der technologiegläubigen Innovationsrhetorik von Wirtschaft und Beratungsindustrie einerseits und der pauschalen Technikfeindlichkeit kulturpessimistischer Kritik andererseits. Sie geht davon aus, dass Digitalisierung weder Erlösung noch Verhängnis ist, sondern eine Verschiebung von Macht, Wissen, Verantwortung und Kontrolle, die genau untersucht werden muss.

Im Zentrum stehen nicht neue Werkzeuge, sondern ihre Wirkung auf Staat, Recht, Bildung, Arbeit, Demokratie und Kultur. Die Plattform interessiert sich besonders für die Schweiz: für ihre Verwaltung, ihre Institutionen, ihre direkte Demokratie und die hierzulande besonders ausgeprägte Bildungs- und Beratungsindustrie rund um KI und Digitalisierung.

Sie schreibt für Leserinnen und Leser, die mit Schlagworten wie Effizienz, Innovation und digitale Transformation nichts mehr anfangen können, weil sie zu oft nichts erklärt haben. Die Autorenschaft argumentiert offen, quellenbasiert und mit klarer Haltung, ohne dabei in Beliebigkeit oder Empörung zu verfallen. Ziel ist nicht Konsens, sondern ein Diskurs, der Widersprüche sichtbar macht, statt sie zu glätten.

Aktuell

Die Open-Source-Illusion

Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Ein Wort wandert aus

Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.

Souverän, aber verwundbar

Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.

Wenn KI das Richtige falsch tut

Anthropics Stresstests zeigen, wie autonome Modelle zwischen blindem Gehorsam, moralischer Eigenmacht und manipulierter Selbstkontrolle scheitern.

Der Bias vor der Maschine

Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.
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