Der Staat verliert seine Daten durch die Hintertür

Ein Cyberangriff auf eine Waadtländer Treuhandfirma hat weit mehr getroffen als das Unternehmen selbst. Die Ransomware-Gruppe BravoX veröffentlichte rund 222 Gigabyte Daten mit über 100’000 Dokumenten und Dossiers. Darunter befinden sich sensible Informationen zu Privatpersonen, Unternehmen, mindestens 15 Gemeinden und einem Mitglied des Waadtländer Staatsrats.

Die betroffene Firma zahlte kein Lösegeld. Systeme wurden isoliert, Zugänge gesperrt und Daten aus einem externen Backup wiederhergestellt. Doch die kopierten Informationen bleiben in den Händen der Täter.

Die offene Frage: Behörden lagern Aufgaben aus, nicht aber ihre Verantwortung. Wie sorgfältig prüfen Gemeinden die Cybersicherheit ihrer Treuhänder, Softwareanbieter und übrigen Dienstleister? Outsourcing schafft Effizienz und entlastet kleine Verwaltungen. Es vergrössert jedoch zugleich die Angriffsfläche. Der digitale Staat kann auch dort verwundet werden, wo formal gar kein Staat mehr arbeitet. (Quelle: Inside IT, 23. Juli 2026)

Aktuell

Die Open-Source-Illusion

Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Ein Wort wandert aus

Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.

Souverän, aber verwundbar

Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.

Wenn KI das Richtige falsch tut

Anthropics Stresstests zeigen, wie autonome Modelle zwischen blindem Gehorsam, moralischer Eigenmacht und manipulierter Selbstkontrolle scheitern.

Der Bias vor der Maschine

Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.
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res-digitalis ist ein unabhängiger Diskursraum für die Analyse von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Folgen. Die Plattform verortet sich bewusst zwischen zwei etablierten Polen: der technologiegläubigen Innovationsrhetorik von Wirtschaft und Beratungsindustrie einerseits und der pauschalen Technikfeindlichkeit kulturpessimistischer Kritik andererseits.