Schweizer Unternehmen bewerten ihre ICT-Beschaffungen zunehmend nach vier Formen digitaler Souveränität: Daten, Technologie, Betrieb und Recht. Oberste Priorität besitzt die Kontrolle über die eigenen Daten – einschliesslich eines technisch nachweisbaren Ausschlusses fremder Zugriffe.
Generative KI verändert den Schweizer Arbeitsmarkt früher als erwartet. Seit 2022 ist die Arbeitslosigkeit in besonders KI-exponierten Berufen bis zu 30 Prozent stärker gestiegen als in weniger betroffenen Tätigkeiten. Gleichzeitig nimmt die Zahl entsprechender Stellenanzeigen ab.
Zwei Drittel der Unternehmen haben die Einführung von Microsoft Copilot aus Datenschutzgründen verschoben oder ganz gestrichen. Viele fürchten, dass der KI-Assistent intern sensible Informationen sichtbar macht. Grundlage ist eine Umfrage des Sicherheitsanbieters CoreView unter 280 Fachpersonen aus IT und Security.
Die EU will eine befristete Ausnahme von ihren Datenschutzregeln reaktivieren. Anbieter wie Google, Meta oder Microsoft könnten private Nachrichten wieder freiwillig automatisiert nach Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs durchsuchen. Verdachtsfälle dürften erst nach menschlicher Überprüfung an Behörden weitergeleitet werden.
Microsoft und das französische KI-Unternehmen Mistral AI vertiefen ihre Partnerschaft. Mit Investitionen in Milliardenhöhe sollen zusätzliche Rechenkapazitäten in Europa entstehen. Mistrals Modelle werden zugleich stärker in Microsofts Plattformen und Automatisierungswerkzeuge integriert.
Ein Cyberangriff auf eine Waadtländer Treuhandfirma hat weit mehr getroffen als das Unternehmen selbst. Die Ransomware-Gruppe BravoX veröffentlichte rund 222 Gigabyte Daten mit über 100’000 Dokumenten und Dossiers. Darunter befinden sich sensible Informationen zu Privatpersonen, Unternehmen, mindestens 15 Gemeinden und einem Mitglied des Waadtländer Staatsrats.
Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.
Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.
Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.
Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.