Copilot öffnet den Schrank der digitalen Altlasten

Zwei Drittel der Unternehmen haben die Einführung von Microsoft Copilot aus Datenschutzgründen verschoben oder ganz gestrichen. Viele fürchten, dass der KI-Assistent intern sensible Informationen sichtbar macht. Grundlage ist eine Umfrage des Sicherheitsanbieters CoreView unter 280 Fachpersonen aus IT und Security.

Das Problem beginnt häufig nicht bei der KI. Über Jahre angesammelte Freigaben, gemeinsam genutzte Links und unklare Zugriffsrechte wurden nie konsequent bereinigt. Copilot kann auf jene Inhalte zugreifen, für die auch der jeweilige Benutzer berechtigt ist – und macht dadurch alte organisatorische Versäumnisse plötzlich durchsuchbar.

Die offene Frage: Ist Copilot das Sicherheitsrisiko oder bloss der Scheinwerfer, der ein längst bestehendes Risiko sichtbar macht? Der Verzicht auf KI schützt kurzfristig vor neuen Expositionen. Er ersetzt jedoch keine Bereinigung der Rechteverwaltung. Wer Copilot stoppt, aber das eigene Datenchaos bewahrt, verschiebt das Problem lediglich zurück in die Dunkelheit. (Quelle: Netzpalaver)

Aktuell

Die Open-Source-Illusion

Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Ein Wort wandert aus

Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.

Souverän, aber verwundbar

Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.

Wenn KI das Richtige falsch tut

Anthropics Stresstests zeigen, wie autonome Modelle zwischen blindem Gehorsam, moralischer Eigenmacht und manipulierter Selbstkontrolle scheitern.

Der Bias vor der Maschine

Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.
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