Schutz per Vertrag genügt nicht mehr

Besonders sensible Behördendaten müssen technisch isoliert werden

Patientendossiers, Steuerdaten und Sozialhilfeinformationen sollen in der Cloud nicht mehr allein durch Verträge geschützt werden. Ein neuer verbindlicher E Government Standard verlangt eine technische Isolation vom Cloud Anbieter.

Organisationen müssen künftig selbst nachweisen, dass ihre Architektur ausländischen Zugriffsmöglichkeiten wie dem US Cloud Act technisch standhält. Damit verschiebt sich die Verantwortung vom Anbieter zu jener Behörde oder Institution, die den Cloud Dienst nutzt.

Doch wer überprüft, ob diese Isolation tatsächlich funktioniert? Gerade kleinere Gemeinden dürften kaum über die Fachkräfte verfügen, um komplexe Cloud Architekturen unabhängig zu beurteilen. Offen bleibt auch, wer die zusätzlichen Kosten trägt, wenn aus einer Sicherheitsanforderung eine umfassende Migration der öffentlichen IT wird. (Quelle: Digitale Verwaltung Schweiz)

Aktuell

Die Open-Source-Illusion

Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Ein Wort wandert aus

Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.

Souverän, aber verwundbar

Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.

Wenn KI das Richtige falsch tut

Anthropics Stresstests zeigen, wie autonome Modelle zwischen blindem Gehorsam, moralischer Eigenmacht und manipulierter Selbstkontrolle scheitern.

Der Bias vor der Maschine

Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.
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res-digitalis ist ein unabhängiger Diskursraum für die Analyse von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Folgen. Die Plattform verortet sich bewusst zwischen zwei etablierten Polen: der technologiegläubigen Innovationsrhetorik von Wirtschaft und Beratungsindustrie einerseits und der pauschalen Technikfeindlichkeit kulturpessimistischer Kritik andererseits.