KI frisst zuerst die Schreibtische

Generative KI verändert den Schweizer Arbeitsmarkt früher als erwartet. Seit 2022 ist die Arbeitslosigkeit in besonders KI-exponierten Berufen bis zu 30 Prozent stärker gestiegen als in weniger betroffenen Tätigkeiten. Gleichzeitig nimmt die Zahl entsprechender Stellenanzeigen ab.

Betroffen sind erstmals vor allem qualifizierte Wissensberufe: Softwareentwicklung, Journalismus, Webdesign, Marketing und Personalwesen. Bei Schweizer Softwareentwicklern hat sich die Arbeitslosenzahl zwischen Ende 2022 und Ende 2025 beinahe verdreifacht. Besonders unter Druck geraten offenbar jüngere Beschäftigte und klassische Einstiegsstellen.

Die offene Frage: KI kann Produktivität steigern, Fachkräfte entlasten und neue Tätigkeiten hervorbringen. Doch wer erhält die Gewinne dieser Produktivität – und wer bezahlt den Übergang? Wenn Unternehmen Juniorstellen abbauen, verlieren sie zugleich die Fachkräfte, die später Verantwortung übernehmen sollen. Eine Wirtschaft, die ihre Lehrjahre automatisiert, könnte bald feststellen, dass ihr die Meister fehlen. (Quelle: Bluewin)

Aktuell

Die Open-Source-Illusion

Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Ein Wort wandert aus

Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.

Souverän, aber verwundbar

Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.

Wenn KI das Richtige falsch tut

Anthropics Stresstests zeigen, wie autonome Modelle zwischen blindem Gehorsam, moralischer Eigenmacht und manipulierter Selbstkontrolle scheitern.

Der Bias vor der Maschine

Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.
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