Die Schweiz baut am digitalen Schutzstaat

Souveränität, Genf und E ID bilden die drei Säulen der Strategie Digitale Schweiz 2026

Der Bundesrat setzt 2026 auf digitale Souveränität und eine widerstandsfähigere Bundesverwaltung. Gleichzeitig soll sich die Schweiz als digitaler Gaststaat für das internationale Genf positionieren und die freiwillige E ID einführen.

Das Programm verbindet staatliche Sicherheit, internationale Standortpolitik und digitale Identität. Sichere Rechenzentren und Cloud Infrastrukturen sollen Genf zu einem Schutzraum für internationale Organisationen machen. Die E ID wiederum soll den Zugang zu staatlichen und privaten Dienstleistungen vereinfachen.

Der Anspruch ist gross. Doch wie glaubwürdig ist ein digitaler Gaststaat, solange sensible Daten bei Schweizer Institutionen regelmässig abfliessen? Und wie freiwillig bleibt eine E ID, wenn analoge Zugänge nach und nach verschwinden und aus einer Option eine praktische Voraussetzung wird? / Quelle: Der Bundesrat

Aktuell

Die Open-Source-Illusion

Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Ein Wort wandert aus

Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.

Souverän, aber verwundbar

Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.

Wenn KI das Richtige falsch tut

Anthropics Stresstests zeigen, wie autonome Modelle zwischen blindem Gehorsam, moralischer Eigenmacht und manipulierter Selbstkontrolle scheitern.

Der Bias vor der Maschine

Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.
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