Das Parlament schützt, der Bundesrat verdünnt

Die Schweiz will gegen Deepfakes und Plattformrisiken vorgehen, findet aber keine gemeinsame regulatorische Richtung

In der Sommersession 2026 hat das Parlament mehrere Vorstösse zum Schutz Minderjähriger und zur Bekämpfung sexualisierter Deepfakes angenommen. Gefordert werden gesetzliche Massnahmen gegen systemische Risiken grosser Plattformen, Suchmaschinen und generativer KI.

Gleichzeitig steht das geplante Plattformgesetz in der Kritik. Die Republik wirft Bundesrat Albert Rösti vor, die Vorlage gerade beim Jugendschutz abgeschwächt zu haben. Damit ziehen Legislative und Exekutive beim gleichen Schutzschild offenbar in unterschiedliche Richtungen.

Das Parlament kann Schutz fordern und Motionen verabschieden. Entscheidend ist jedoch, was davon in einer konkreten Gesetzesvorlage übrig bleibt. Wer trägt die politische Verantwortung, wenn zwischen öffentlichem Schutzversprechen und regulatorischer Umsetzung eine Lücke entsteht, durch die sich synthetische Gewalt längst verbreitet? / Quellen: Republik · Pro Juventute

Aktuell

Die Open-Source-Illusion

Den Code besitzen heisst nicht: ihn beherrschen. Eine Behörde kann Open-Source-Software einsetzen und trotzdem abhängig sein. Von Entwicklern. Von Cloud-Betreibern. Von Dienstleistern. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Ein Wort wandert aus

Wie Souveränität, Neutralität und Vertrauen in die Technik einwandern und dabei ihre Geschichte verlieren. Das digitale Zeitalter erfindet pausenlos neue Maschinen, aber kaum neue Wörter für das, was diese Maschinen dem Gemeinwesen antun. Also leiht es sich alte.

Souverän, aber verwundbar

Der klassische Souveränitätsbegriff denkt vertikal: oben und unten, innen und aussen, eine Grenze um ein politisches Ganzes. Digitale Infrastrukturen verteilen Handlungsmacht dagegen über Abhängigkeiten, Protokolle und Betreiber. Wer das alte Wort ins Netz trägt, muss deshalb zeigen, worauf es dort noch verweist. Der Angriff auf die Server des Bundes zeigt, was von staatlicher Selbstbestimmung übrig bleibt, wenn sie sich im Betrieb bewähren muss und nicht nur im Strategiepapier.

Wenn KI das Richtige falsch tut

Anthropics Stresstests zeigen, wie autonome Modelle zwischen blindem Gehorsam, moralischer Eigenmacht und manipulierter Selbstkontrolle scheitern.

Der Bias vor der Maschine

Künstliche Intelligenz erfindet unsere Voreingenommenheit nicht. Sie übernimmt die Auswahl, Auslassungen und Machtverhältnisse menschlicher Wissensordnungen, verdichtet sie zu Wahrscheinlichkeiten und überführt sie in technische Verfahren. So wird aus dem oft flüchtigen Vorurteil eine skalierbare Infrastruktur: messbar, reproduzierbar und institutionell wirksam.
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res-digitalis ist ein unabhängiger Diskursraum für die Analyse von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Folgen. Die Plattform verortet sich bewusst zwischen zwei etablierten Polen: der technologiegläubigen Innovationsrhetorik von Wirtschaft und Beratungsindustrie einerseits und der pauschalen Technikfeindlichkeit kulturpessimistischer Kritik andererseits.